Universität Zürich » CAS in Applied Economic

Anmeldeformular CAS Applied Economic History

Frau
Herr
Titel:
Vorname*:
Nachname*:
Firma:
Ausbildung*:
Berufliche Tätigkeit*:
Email*:
Telefon privat*:
Telefon geschäftlich:
Korrespondenzadresse* (Strasse / PLZ / Ort):
Rechnungsadresse (Strasse / PLZ / Ort):
Ich melde mich für den folgenden Studiengang an*:
Certificate of Advanced Studies in Economic History
Einzelmodule
Bitte senden Sie Ihren Lebenslauf, Kopien Ihrer Hochschulzeugnisse sowie Ihre AHV-Nummer und eine ID/Passkopie an:

MAS Applied History
Programm Management
Historisches Seminar
Universität Zürich
Karl Schmid-Strasse 4
CH-8006 Zürich
Ihre Erwartungen an den Studiengang:
Bemerkungen:
Sicherheitsfrage: Bitte geben Sie die Summe von 1+1 ein:*
Besten Dank für Ihre Anmeldung. Wir melden uns in Kürze bei Ihnen.
Fehler, bitte versuchen Sie es später nocheinmal.

Curriculum 2019 - 2020

Curriculum 2017 - 2019

Summerschool China: Konfuzius und der Konfuzianismus heute

Die Summerschool China thematisiert den beeindruckenden wirtschaftlichen Aufstieg Chinas in den vergangenen 30 Jahren sowie die kulturellen Grundlagen, die diesen ermöglichten. Fleiss, Gehorsam, Unterwerfung und Sparsamkeit sind Tugenden, die der Konfuzianismus propagierte, die aber auch den Wirtschaftslenkern in der KPCh und in den Joint Venture-Unternehmen zugute kamen und die Investitionen und Wissens­tranfer in die Volksrepublik China lukrativ erscheinen liessen.

Im Wirtschaftszentrum Shanghai und in der alten Kaiserstadt Nanjing, heute ein Zentrum von Industrie und Forschung, werden historische und wirtschaftliche Stätte besichtigt (Flusspromenade «Bund», das ehemalige International Settlement, die ehemalige die Concession française und die Free Trade Zone (FTZ); in Nanjing dann das Grab des ersten Ming-Kaisers (Ming-Xiaoling-Mausoleum) sowie das Mausoleum des Republikgründers Sun Tat-Sen. In Qufu – Geburtsort des Konfuzius und Wohnstätte der Kong-Familie mit dem allerersten Konfuzius-Tempel, einer der Ursprungsorte chinesischer Kultur und seit 1994 Weltkulturerbe – wird der Zusammenhang zwischen konfuzianischer Gesellschaftsordnung und wirtschaftlichem Wohlergehen, zwischen Tradition und Moderne erörtert. Weitere China-Expert/-innen werden für Vorträge und Diskussionen vor Ort zugezogen. Ziel der Reise ist ein vertieftes Verständnis der kulturellen Voraussetzungen des wirtschaftlichen Erfolgs Chinas, der wichtigsten Etappen seiner wirtschaftlich-politischen Transformation seit dem Ende des Kaisertums sowie der aktuellen Herausforderungen der grössten Volkswirtschaft der Welt.

Szenarien für das 21. Jahrhundert: Europa, China, USA

Von allen bedeutsamen historischen Makro-Veränderungen unserer Epoche ist sicher der Wiederaufstieg Asiens der bedeutendste, und damit der (relative) Abstieg des Westens. Wie wird das 21. Jahrhundert insgesamt aussehen? Werden wir die Herausbildung eines neuen Hegemonialsystems erleben, wie das britische im 18. und 19. Jahrhundert und das US-amerikanische nach 1945, oder wird über längere Zeit multipolare Instabilität vorherrschen? Werden sich die Prozesse regionaler Integration weltweit intensivieren oder werden supranationale Institutionengebilde wie die EU oder ASEAN zerfallen? Wird nach dem Ende der amerikanischen Ambitionen die Volksrepublik China eine Führungsrolle im Aufbau asiatisch-pazifischer Institutionen einnehmen? Wird der intervenierende und identitätsstiftende Nationalstaat unter den Bedingungen fortgeschrittener Globalisierung eine Renaissance erleben?
Alle im 20. Jahrhundert oder davor gegründeten Institutionen werden sich neuen Herausforderungen stellen müssen. Wie wird die Digitalisierung die Wirtschaft und unsere Lebensweise verändern – und die Kriegsführung? Werden wir die damit verbundenen neuen Manipulationsmöglichkeiten in den Griff bekommen und demokratische Prozesse neu definieren? In vielen Bereichen werden wir die maximale Ausbeutbarkeit des Planeten Erde erreichen, was Verteilungskonflikte um nicht ersetzbare Rohstoffe, Wasser und Landwirtschaftsflächen, um mengenmässig nicht steigerbare Lebensmittel allgemein zuspitzen wird. Wie werden die erwartbaren grossen Effizienzrevolutionen aussehen? Werden wir gemeinsam die ökologische Transformation meistern, oder werden Teile der Welt im Chaos und steigenden Wasser versinken? Werden wir die Erdgebundenheit unserer Gattung überwinden mit der Besiedlung anderer Planeten? Das Modul untersucht diese grundlegenden Herausforderungen und diskutiert mögliche Szenarien.

Arbeit, Wissen und Technologie

Seit einigen Jahren wird leidenschaftlich über die Auswirkungen der Digitalisierung debattiert. Geht uns die Arbeit aus? Werden wir bald durch Roboter ersetzt? Brauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen, um eine soziale Verelendung zu verhindern? Das Modul beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen technologischen und kulturellen Entwicklungen und ihren Implikationen für die Arbeitswelt.

Schon in früheren Jahrhunderten, insbesondere seit dem Beginn der Industrialisierung, sind periodisch Schreckensszenarien vertreten worden. Die grossen technologischen Umbrüche haben aber nie zur befürchteten Verknappung der Arbeit geführt, sondern die Gesamtbeschäftigung erhöht. Dies hing damit zusammen, dass Technologien nie vom Himmel fielen, sondern in ihrer Entstehung und Diffusion immer gesellschaftlich und kulturell eingebettet waren. Wie das Modul zeigen wird, gilt das genauso für die Digitalisierung wie für frühere Basistechnologien, welche die Welt fundamental verändert haben.
Auch die Politik war immer prägend, wenn neue Technologien implementiert und Arbeitsverhältnisse verändert wurden. Je nach dem, wie die Belegschaft eines Betriebs organisiert war und sich zu wehren wusste, entschied das Management über den Einsatz von arbeitssparenden Technologien oder Produktionsabläufen. Des Weiteren hing die Ausgestaltung des Bildungssystems vom politischen Gewicht der Unternehmerverbände und der Gewerkschaften ab. In Ländern wie der Schweiz, wo diese Interessenvertretungen grosses Gewicht hatten, setzten sich praxisnahe Ausbildungsgänge durch, die flexibel auf den technologischen Wandel reagieren können. Die Zukunft der Arbeit mag völlig offen sein, aber ein Rückblick auf die Vergangenheit hilft, die Proportionen zu wahren.

Probleme der Schweizer Wirtschaftspolitik

Negativzinsen, Skepsis gegenüber der Personenfreizügigkeit, Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III: Die schweizerische Wirtschaftspolitik gibt immer wieder zu heftigen Debatten Anlass. Das Modul greift die drängendsten Fragen der Gegenwart auf und behandelt die verschiedenen Positionen aus einer historischen Perspektive.

Im Zentrum steht die Frage, wie in einer direkten Demokratie gute Wirtschaftspolitik konzipiert und implementiert werden kann. Auf den ersten Blick scheinen sich Demokratie und Effizienz auszuschliessen. Denn vieles, was aus streng ökonomischer Sicht wünschenswert wäre, ist politisch nicht realisierbar. Umgekehrt wird vieles aus politischen Gründen realisiert, was ökonomischer Vernunft diametral widerspricht. Gleichwohl gehört die Schweiz zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Der direktdemokratische Entscheidungsprozess scheint ökonomisch doch viel positiver zu sein, als gemeinhin angenommen wird. Das Modul wird den Ursachen dieses Paradoxons nachgehen.
Die eingeladenen SpezialistInnen werden die wesentlichen Fragen, die momentan auf der politischen Agenda stehen, behandeln, u. a. das Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU, die Ursachen der Negativzinsen, die Probleme der Bankenregulierung, die Reformen des Steuersystems und des Sozialstaats, die Risiken der Energiewende und die Herausforderungen der Bildungspolitik. Abschliessend äussern sich auch prominente Persönlichkeiten aus der wirtschaftspolitischen Praxis zu den grossen Baustellen der Schweiz.

Die Entstehung des Neuen. Über Paradigmenwechsel und kleinere Innovationen

Für Paradigmenwechsel – erstrangige wissenschaftliche und technologische Um- und Durchbrüche – bedarf es einzelner «Grosser» wie Galilei oder Einstein ebenso wie bestimmter Umstände. Genies lassen sich nicht beliebig aktiveren, sehr wohl aber Bedingungen schaffen, unter denen die Kleineren, die ihnen vorarbeiten, schaffen und denken können.

Wie solche «Möglichkeitsräume» beschaffen sein könnten, darüber kann der historische Vergleich Aufschlüsse vermitteln. Ebendies möchte das Modul leisten: An einigen spektakulären Beispielen (Kopernikanische Wende, Buchdruck, Wissenschaftliche Revolution, Industrialisierung, Entstehung des Internet) wollen wir darüber Aufschluss zu gewinnen versuchen. Blicke auf Bildende Kunst und Musik – hier wird Stilwandel thematisiert werden – sollen «mikroskopische» Einblicke in kreative Prozesse ermöglichen und Vergleiche mit Kreativität in Wissenschaft und Technik ermöglichen. Parallelen zu erfolgreichem Unternehmertum, seine Kunst der «schöpferischen Zerstörung», sind naheliegend und werden ebenfalls unternommen. Zudem werden wir einen Seitenblick auf die «Psychologie des Genies» werfen und fragen, in welcher Weise «Bedingungen» für das, was sie an Neuem erfanden, bedeutsam wurden. Ein einleitendes Referat dient der Klärung zentraler Begriffe und Konzepte. Am Ende könnten Antworten auf eine Frage von unbestreitbarer Relevanz stehen: Wie organisiert man Kreativität?

Unternehmensgeschichte: Konzepte, Wendepunkte, Fallbeispiele

Unternehmen sind, wie die Menschen, im Kern geschichtliche Wesen. Es gibt gewisse, meist im Anfangsstadium der Entwicklung erworbene Eigenschaften, die eine starke Identität verleihen, zugleich aber den Raum des Möglichen begrenzen. Die Macht der Tradition ist so stark, dass Veränderungen immer mit grossen Risiken verbunden sind. Manchmal gelingt es, in der Krise das Steuer herumzureissen und der Organisation einen neuen Schwung zu verschaffen, manchmal scheitern Unternehmer und Manager, weil sie kulturelle Fragen vernachlässigen.

So wird auch das historische Verständnis des unternehmerischen Erfolgs dem Gegenstand nur gerecht, wenn neben den Kennzahlen und Marktanalysen auch die Kultur eines Unternehmens und die Gedankenwelt der verantwortlichen Persönlichkeiten berücksichtigt werden. In bestimmten historischen Phasen braucht es Unternehmer und Manager, die mit ruhiger Hand führen und die Tradition pflegen, in anderen Perioden braucht es abenteuerlustige Charaktere, die mit einer disruptiven Agenda den Schutt der Geschichte wegräumen, ohne die Identität des Unternehmens zu zerstören.
Daraus ergeben sich viele historische Fragen. Wie erwirbt ein Unternehmen eine bestimmte Kultur? Welche Spielräume eröffnen sich in Krisen? Welche Faktoren entscheiden über Erfolg und Misserfolg der Unternehmensführung? Anhand von Fallbeispielen und Gesprächen mit prominenten Persönlichkeiten versucht das Modul, die Beziehung zwischen Geschichte, Kultur und Erfolg besser zu verstehen.

Geschichte der Wirtschafts- und Finanzkrisen

Der Wohlstand einer Nation wird durch langfristig wirkende Faktoren bestimmt, etwa durch die Stabilität der politischen Institutionen, das Bildungssystem, das Handelsregime oder die Innovationstätigkeit. Kurzfristig können aber Wirtschafts- und Finanzkrisen enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten und grosse politische Verwerfungen auslösen, wie wir es in den letzten Jahren gerade wieder erlebt haben.

Das Modul strebt eine langfristige Sicht der Dinge an, um die Muster von Wirtschafts- und Finanzkrisen herauszuarbeiten. Erste grösser Bankenzusammenbrüche und Staatsbankrotte beobachten wir bereits im mittelalterlichen Italien, als die internationale Kreditverflechtung dank neuen Finanzinstrumenten ihren Anfang nahm. Wir behandeln die holländische Tulpenmanie im 17. Jahrhundert und die Doppelkrise in London und Paris zu Beginn des 18. Jahrhunderts (South Sea und Mississippi Bubble). Grossen Raum wird die Analyse der Grossen Depression der 1930er Jahren einnehmen, weil sie von grosser historischer Tragweite war und bis heute prägend für das ökonomische Denken ist.
Zum besseren Verständnis der heutigen politischen Situation befassen wir uns ferner mit der grossen Gründerkrise von 1873. Protektionistische Massnahmen, der Aufstieg von radikalen Bewegungen und die Rückbesinnung auf das Nationale sind typische Symptome der Zeit nach der Krise. Grossen Raum wird auch die Beschäftigung mit der Geld- und Währungspolitik einnehmen. Seit 2009 sind die nominalen Zinsen auf einem rekordtiefen Niveau, und es sieht nicht danach aus, als ob bald eine Normalisierung eintreten würde. Auch diese drängenden Gegenwartsfragen lassen sich aus einer wirtschaftshistorischen Perspektive besser verstehen.

Von Aristoteles bis Bernanke: Geschichte des ökonomischen Denkens

Die Wirtschaftsgeschichte wird nicht nur von materiellen Interessen und Kräften getrieben, sondern auch von Ideen und Weltbildern. Der britische Ökonom John Maynard Keynes schrieb gar in seinem Hauptwerk: «Die Gedanken der Ökonomen und Staatsphilosophen sind einflussreicher, als gemeinhin angenommen wird, sowohl wenn sie im Recht, als auch wenn sie im Unrecht sind. In Wirklichkeit wird die Welt durch wenig anderes beherrscht als durch sie.» Für ein Verständnis der Gegenwart ist deshalb die Kenntnis der wichtigsten ökonomischen Lehrmeinungen unerlässlich.

Das Modul beginnt mit der Antike, weil bereits damals wesentliche Fragen gestellt wurden. Was macht den Reichtum einer Stadt oder einer Region aus? Darf man einen Zins verlangen? Wie entsteht Inflation? Einige antike Denker gaben auch schon moderne Antworten, vieles blieb aber rein moralischen Gesichtspunkten untergeordnet. Im Hoch- und Spätmittelalter kam es zu einem neuerlichen Schub an ökonomischem Denken. Der Aufstieg der italienischen Finanzplätze und die Intensivierung des Handels veränderten die Einstellung zu Kredit, Zins und Reichtum. Mit dem Beginn der Globalisierung in der Frühen Neuzeit begann schliesslich auch die Geschichte des modernen ökonomischen Denkens, das durch Adam Smith in seinem Hauptwerk «The Wealth of Nations» (1776) zusammengefasst wurde. Abschliessend thematisiert das Modul auch die Grenzen der ökonomischen Methode und Theorie. Gerade im Anschluss an die jüngste Finanzkrise ist die strenge Mathematisierung wiederholt in Frage gestellt worden. Alternative Sichtweisen wie die Österreichische Schule der Nationalökonomie werden deshalb ebenfalls zur Sprache kommen wie die Neoklassik und der Neukeynesianismus, welche in den Lehrbüchern dominieren.

Summerschool Manchester: Der Aufstieg Europas, die industrielle Revolution und die «grosse Divergenz»

Bis 1800 war der Lebensstandard überall auf der Welt etwa ähnlich. Die meisten Menschen mussten froh sein, wenn sie sich knapp über dem Existenzminimum halten konnten. Dann aber kam es in England und wenig später in Westeuropa und Nordamerika mit der Industrialisierung zu einer wirtschaftlichen Revolution, welche den Lebensstandard enorm anheben sollte. Es begann die Zeit der «grossen Divergenz» zwischen den westlichen Industriestaaten und allen anderen Weltregionen.

Wie lässt sich erklären, dass diese grosse wirtschaftliche Transformation in Teilen Europas und nicht in anderen derzeitig hochentwickelten Zivilisationen wie China, Indien oder im Osmanischen Reich stattfand? Was sind die Gründe dafür, dass Lateinamerika und Afrika so lange arm geblieben sind? Wie kann man die Sonderposition Japans erklären, das als einziges grosses Land ausserhalb des Westens schon früh anfing, seinen wirtschaftlichen Rückstand aufzuholen?
Das Modul behandelt die Gründe für die grosse globale Ungleichheit der letzten 200 Jahre und tut das mit einem systematisch komparativen Ansatz, indem eine Fülle von Faktoren einbezogen wird. Die DozentInnen haben wichtige Beiträge zur Debatte über die «grosse Divergenz» geliefert und sind Experten der Geschichte bestimmter Grossräume. Als Ort haben wir Manchester gewählt, dem Epizentrum der Industriellen Revolution.

Einführung: Theorien, Methoden, Grundfragen

Die Wirtschaftsgeschichte ist ein weites und umstrittenes Feld, das von vielen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen bearbeitet wird. Umso wichtiger ist es, sich am Anfang des Studiengangs einen Überblick über die verschiedenen Theorien, Methoden und Grundfragen zu verschaffen.

Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit den Standards von Wissenschaftlichkeit und des wissenschaftlichen Schreibens sowie den Regeln der Literaturrecherche. Als Nächstes steht der Rohstoff der Wirtschaftsgeschichte – die Quelle – im Mittelpunkt. Als Basis dieser Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten dient ein Reader, der wichtige Konzeptpapiere und vertiefende Aufsätze zu den Bereichen enthält.
Im zweiten Teil stehen die grossen theoretischen Fragen der Wirtschaftsgeschichte im Zentrum. Wie ist das Verhältnis von Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft? Welche historischen Umstände behindern oder ermöglichen technologischen Fortschritt und Wachstum? Wie unterscheiden sich die Disziplinen in ihrer Modellierung des wirtschaftlichen Wandels? Besonders interessiert uns die Frage, wie sich die Bedeutung des «weichen» Faktors «Geschichte» fassen lässt. Dass er von Bedeutung für die Entwicklung moderner Gesellschaften ist, scheint unzweifelhaft. Auch, dass es unmöglich ist, die zähe Macht der Tradition, über lange Zeit eingeübte Denkmuster und Verhaltensweisen zu ändern. Umso wichtiger ist es, sich mit ihnen zu befassen und den Versuch zu unternehmen, sich ihres Stellenwerts zu versichern. Ziel des Moduls ist es, ein Gespür für die unterschiedlichen intellektuellen Traditionen der Wirtschaftsgeschichte zu entwickeln und ihre Stärken und Schwächen kennenzulernen.

Curriculum 2019 - 2020

Datum
Titel
Modulkoordination

Von Aristoteles bis Bernanke: Geschichte des ökonomischen Denkens

Die Wirtschaftsgeschichte wird nicht nur von materiellen Interessen und Kräften getrieben, sondern auch von Ideen und Weltbildern. Der britische Ökonom John Maynard schrieb gar in seinem Hauptwerk: «Die Gedanken der Ökonomen und Staatsphilosophen sind einflussreicher, als gemeinhin angenommen wird, sowohl wenn sie im Recht, als auch wenn sie im Unrecht sind. In Wirklichkeit wird die Welt durch wenig anderes beherrscht als durch sie.» Für ein Verständnis der Gegenwart ist deshalb die Kenntnis der wichtigsten ökonomischen Lehrmeinungen unerlässlich.

Das Modul beginnt mit der Antike, weil bereits damals wesentliche Fragen gestellt wurden. Was macht den Reichtum einer Stadt oder einer Region aus? Darf man einen Zins verlangen? Wie entsteht Inflation? Einige antike Denker gaben auch schon moderne Antworten, vieles blieb aber rein moralischen Gesichtspunkten untergeordnet. Im Hoch- und Spätmittelalter kam es zu einem neuerlichen Schub an ökonomischem Denken. Der Aufstieg der italienischen Finanzplätze und die Intensivierung des Handels veränderten die Einstellung zum Kredit, Zins und Reichtum. Mit dem Beginn der Globalisierung in der Frühen Neuzeit begann schliesslich auch die Geschichte des modernen ökonomischen Denkens, das durch Adam Smith in seinem Hauptwerk The Wealth of Nations (1776) zusammengefasst wurde. Abschliessend thematisiert das Modul auch die Grenzen der ökonomischen Methode und Theorie. Gerade im Anschluss an die jüngste Finanzkrise ist die strenge Mathematisierung wiederholt in Frage gestellt worden. Alternative Sichtweisen wie die Österreichische Schule der Nationalökonomie werden deshalb ebenfalls zur Sprache kommen wie die Neoklassik und der Neukeynesianismus, welche in den Lehrbücher dominieren.

Schweizer Wirtschaftspolitik: Probleme, Positionen und Perspektiven

Negativzinsen, Skepsis gegenüber der Personenfreizügigkeit, Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III: Die schweizerische Wirtschaftspolitik gibt immer wieder zu heftigen Debatten Anlass. Das Modul greift die drängendsten Fragen der Gegenwart auf und behandelt die verschiedenen Positionen aus einer historischen Perspektive.

Im Zentrum steht die Frage, wie in einer direkten Demokratie gute Wirtschaftspolitik konzipiert und implementiert werden kann. Auf den ersten Blick scheinen sich Demokratie und Effizienz auszuschliessen. Denn vieles, was aus streng ökonomischer Sicht wünschenswert wäre, ist politisch nicht realisierbar. Umgekehrt wird vieles aus politischen Gründen realisiert, was ökonomischer Vernunft diametral widerspricht. Gleichwohl gehört die Schweiz zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Der direktdemokratische Entscheidungsprozess scheint ökonomisch doch viel positiver zu sein, als gemeinhin angenommen wird. Das Modul wird den Ursachen dieses Paradoxes nachgehen. Die eingeladenen Spezialistinnen und Spezialisten werden die wesentlichen Fragen, die momentan auf der politischen Agenda stehen, behandeln, u. a. das Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU, die Ursachen der Negativzinsen, die Probleme der Bankenregulierung, die Reformen des Steuersystems und des Sozialstaats, die Risiken der Energiewende und die Herausforderungen der Bildungspolitik. Abschliessend äussern sich auch prominente Persönlichkeiten aus der wirtschaftspolitischen Praxis zu den grossen Baustellen der Schweiz.

Dynastien, Heroen und Pechvögel. Erfolg und Misserfolg in der Unternehmensgeschichte

Unternehmen sind wie die Menschen im Kern geschichtliche Wesen. Es gibt gewisse, meist im Anfangsstadium der Entwicklung erworbene Eigenschaften, die eine starke Identität verleihen, zugleich aber den Raum des Möglichen begrenzen. Die Macht der Tradition ist so stark, dass Veränderungen immer mit grossen Risiken verbunden sind. Manchmal gelingt es in der Krise das Steuer herumzureissen und der Organisation einen neuen Schwung zu verschaffen, öfters scheitern Unternehmer und Manager, weil sie kulturelle Fragen vernachlässigen.

So wird auch das historische Verständnis des unternehmerischen Erfolgs dem Gegenstand nur gerecht, wenn neben den Kennzahlen und Marktanalysen auch die Kultur eines Unternehmens und die Gedankenwelt der verantwortlichen Persönlichkeiten berücksichtigt werden. In bestimmten historischen Phasen braucht es Unternehmer und Manager, die mit ruhiger Hand führen und die Tradition pflegen, in anderen Perioden braucht es abenteuerlustige Charaktere, die mit einer disruptiven Agenda den Schutt der Geschichte wegräumen, ohne die Identität des Unternehmens zu zerstören. Daraus ergeben sich viele historische Fragen. Wie erwirbt ein Unternehmen eine bestimmte Kultur? Welche Spielräume eröffnen sich in Krisen? Welche Faktoren entscheiden über Erfolg und Misserfolg der Unternehmensführung? Anhand von Fallbeispielen und Gesprächen mit prominenten Persönlichkeiten versucht das Modul, die Beziehung zwischen Geschichte, Kultur und Erfolg besser zu verstehen.

Die Entstehung des Neuen. Über Paradigmenwechsel und kleinere Innovationen

Für Paradigmenwechsel – erstrangige wissenschaftliche und technologisch Umbrüche und Durchbrüche – bedarf es einzelner «Grosser» wie Galilei oder Einstein ebenso wie bestimmter Umstände. Genies lassen sich nicht beliebig aktiveren, sehr wohl aber Bedingungen schaffen, unter denen und die Kleineren, die ihnen vorarbeiten, denken können.

Wie solche «Möglichkeitsräume» beschaffen sein könnten, darüber kann der historische Vergleich Aufschlüsse vermitteln. Ebendies möchte das Modul leisten: An einigen spektakulären Beispielen (Kopernikanische Wende, Buchdruck, Wissenschaftliche Revolution, Industrialisierung, Entstehung des Internet) wollen wir darüber Aufschluss zu gewinnen versuchen. Blicke auf Bildende Kunst und Musik – hier wird Stilwandel thematisiert werden – sollen «mikroskopische» Einblicke in kreative Prozesse ermöglichen und Vergleiche mit Kreativität in Wissenschaft und Technik ermöglichen. Parallelen zu erfolgreichem Unternehmertum, seine Kunst der «schöpferischen Zerstörung», sind naheliegend und werden ebenfalls unternommen. Zudem werden wir einen Seitenblick auf die «Psychologie des Genies» werfen und fragen, in welcher Weise «Bedingungen» für das, was sie an Neuem erfanden, bedeutsam wurden. Ein einleitendes Referat dient der Klärung zentraler Begriffe und Konzepte. Am Ende könnten Antwort auf eine Frage von unbestreitbarer Relevanz stehen: Wie organisiert man Kreativität?

School London – Von der «Great Depression» zur «Great Recession»

London ist seit dreihundert Jahren ein führendes internationales Finanzzentrum. Wann immer sich eine globale Bankenkrise ereignete, war sie hier unmittelbar spürbar. Es ist deshalb naheliegend, die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftskrisen vor Ort an der Themsestadt zu studieren.

Das Modul bietet einen kurzweilige Mischung von Besuchen von historischen Stätten wie der Bank of England und der alten City, Referaten von Wirtschaftshistorikern und Gesprächen mit Exponenten des Finanzplatzes London. Bewusst wird eine langfristige Sicht der Dinge angestrebt – vom South Sea Bubble im frühen 18. Jahrhundert über die Lateinamerika-Krise in den 1820er Jahren bis zur «Great Depression» der 1930er Jahre und der «Great Recession» der jüngsten Zeit. Ein wichtiges Thema werden auch die politischen Konsequenzen von Finanzkrisen sein. Der Brexit mag viele Gründe haben, aber die Tatsache, dass die Abstimmung nur wenige Jahre nach der Finanzkrise von 2008/09 stattfand, darf nicht unterschätzt werden. Bereits im Anschluss an die grosse Gründerkrise von 1873 oder an die Grosse Depression kam es zu grossen politischen Verwerfungen. Protektionistische Massnahmen, der Aufstieg von radikalen Bewegungen und die Rückbesinnung auf das Nationale sind typische Symptome der Nachkrisenzeit. Grossen Raum wird auch die Beschäftigung mit der Geld- und Währungspolitik einnehmen. Seit 2009 sind die nominalen Zinsen auf einem rekordtiefen Niveau, und es sieht nicht danach aus, als ob bald eine Normalisierung eintreten würde. Was bedeutet dies für die Schuldner und die Gläubiger? Werden die Sparer noch lange geduldig bleiben? Oder kommt auch von dieser Seite bald grosser politischer Druck?

Szenarien für das 21. Jahrhundert: Europa, China, USA

Von allen bedeutsamen historischen Makro-Veränderungen unserer Epoche ist sicher der Wiederaufstieg Asiens der bedeutendste, und damit der (relative) Abstieg des Westens. Wie wird das 21. Jahrhundert insgesamt aussehen? Werden wir die Herausbildung eines neuen Hegemonialsystems erleben, wie das britische im 18. und 19. Jahrhundert und das US-amerikanische nach 1945, oder wird über längere Zeit multipolare Instabilität vorherrschen? Werden sich die Prozesse regionaler Integration weltweit intensivieren oder werden supranationale Institutionengebilde wie die EU oder ASEAN zerfallen? Wird nach dem Ende der amerikanischen Ambitionen die Volksrepublik China eine Führungsrolle im Aufbau asiatisch-pazifischer Institutionen einnehmen? Wird der intervenierende und identitätsstiftende Nationalstaat unter den Bedingungen fortgeschrittener Globalisierung eine Renaissance erleben?

Alle im 20. Jahrhundert oder davor gegründeten Institutionen werden sich neuen Herausforderungen stellen müssen. Wie wird die Digitalisierung die Wirtschaft und unsere Lebensweise verändern – und die Kriegsführung? Werden wir die damit verbundenen neuen Manipulationsmöglichkeiten in den Griff kriegen und demokratische Prozesse neu definieren? In vielen Bereichen werden wir die maximale Ausbeutbarkeit des Planeten Erde erreichen, was Verteilungskonflikte um nicht ersetzbare Rohstoffe, Wasser und Landwirtschaftsflächen, um mengenmässig nicht steigerbare Lebensmittel allgemein zuspitzen wird. Wie werden die erwartbaren grossen Effizienzrevolutionen aussehen? Werden wir gemeinsam die ökologische Transformation meistern, oder werden Teile der Welt im Chaos und steigenden Wasser versinken? Werden wir die Erdgebundenheit unserer Gattung überwinden mit der Besiedlung anderer Planeten beginnen? Das Modul untersucht diese grundlegenden Herausforderungen und diskutiert mögliche Szenarien.

School Lissabon – Der Aufstieg Europas, die industrielle Revolution und die «grosse Divergenz»

Bis 1800 war der Lebensstandard überall auf der Welt etwa ähnlich. Die meisten Menschen mussten froh sein, wenn sie sich knapp über dem Existenzminimum halten konnten. Dann aber kam es in England und wenig später in Westeuropa und Nordamerika mit der Industrialisierung zu einer wirtschaftlichen Revolution, welche den Lebensstandard enorm anheben sollte.

Es begann die Zeit der Grossen Divergenz zwischen den westlichen Industriestaaten und aller anderen Weltregionen. Wie lässt sich erklären, dass dieser grosse wirtschaftliche Transformation in Teilen Europas und nicht in anderen derzeitig hochentwickelten Zivilisationen wie China oder Indien stattfand? Wie kann man die Sonderposition Japans erklären das als einziges grosses Land ausserhalb des Westens schon früh anfing nachzuholen? Was sind die Gründe das Lateinamerika und Afrika so lange so arm geblieben sind? Das Modul behandelt die Gründe für die grosse globale Ungleichheit der letzten 200 Jahre und tut das mit einem systematisch komparativen Ansatz in dem eine Fülle von Faktoren einbezogen wird. Die DozentInnen haben alle wichtige Beiträge an der Debatte über die Grosse Divergenz geliefert und sind Experten im Bereich der Geschichte von einen bestimmten Grossraum. Als Ort haben wir Portugal gewählt, weil die alte Seefahrernation am Anfang einer Sonderentwicklung Europas stand, die bereits im späten Mittelalter eingesetzt hatte.

Programm_Lissabon

Die kulturelle Dimension der Wirtschaft

Wirtschaftliches Handeln wird von jeher durch kulturelle Zusammenhänge mitbestimmt. Religiöse Einstellungen, über lange Zeit entstandene historische Traditionen und Mentalitäten haben Einfluss darauf, wie sich Akteure auf dem ökonomischen Feld verhalten.

Schon der deutsche Soziologe Max Weber hat – in einer vieldiskutierten These – versucht, Zusammenhänge zwischen protestantischer Ethik und kapitalistischem Geist nachzuweisen. Auch wurde diskutiert, ob oder inwieweit konfuzianische Prägungen oder die kommunistische Vergangenheit ihre Spuren im Denken und Handeln der Chinesinnen und Chinesen von heute hinterlassen haben. Warum gibt es Gesellschaften, die als «korrupt», andere, die als wohlgeordnet gelten? Welche längerfristigen Voraussetzungen haben wirtschaftlicher Erfolg, technischer Fortschritt – oder eben das Gegenteil, Niedergang und Stagnation? Der «weiche» Faktor «Geschichte» mag schwer messbar sein. Dass er von Bedeutung für die Entwicklung moderner Gesellschaften ist, scheint unzweifelhaft. Auch, dass es unmöglich ist, die zähe Macht der Tradition, über lange Zeit eingeübter Denkmuster Verhaltensweisen zu ändern. Umso wichtiger ist es, sich mit ihnen zu befassen und den Versuch zu unternehmen, sich ihres Stellenwerts unter den Ursachen für ökonomisches Wohl oder Wehe zu versichern. Das Modul untersucht die «kulturelle Dimension der Wirtschaft» am Beispiel verschiedener wichtiger Beispielfälle nach und versucht, über Vergleiche zu allgemeineren Schlussfolgerungen durchzudringen.

Einführungstag: Das Handwerk der Geschichtswissenschaft

Recherche, Verarbeitung und Vermittlung von Informationen bilden den Kern und das eigentliche Handwerk geschichtswissenschaftlichen Arbeitens. Diese Grundkompetenzen stehen im Zentrum des Einführungstages. Ausgehend von theoretischen Grundlagen und dem Vorwissen der Teilnehmenden, werden anhand ausgesuchter Beispiele und in praktischer Anwendung die verschiedenen Bereiche beleuchtet und vertieft.

Als Einstieg geht es zuerst um Standards von Wissenschaftlichkeit und des wissenschaftlichen Schreibens sowie um die Praxis der Literatur- und Quellenrecherche: Was heisst Wissenschaftlichkeit in den Geisteswissenschaften? Welche formalen, sprachlichen und inhaltlichen Bedingungen müssen dabei erfüllt sein? Wie schreibt man einen wissenschaftlichen Essay? Wie werden Zitate und Fussnoten verwendet? Wie findet, bewertet und verarbeitet man die teilweise kaum überblickbare Masse an Literatur und Informationsmitteln? Im zweiten Teil des Einführungstages steht der Rohstoff der Geschichtswissenschaft – die Quellen – im Mittelpunkt. Dabei soll das Lesen, Verstehen und Auswerten von wirtschaftsgeschichtlichen Quellen im Sinne der Quellenkritik vermittelt und geübt werden: Was ist der Unterschied zwischen Quellen und Literatur? Welche Formen von Quellen können herangezogen werden? Was heisst Quellenkritik und welche Rolle spielt diese in den Geisteswissenschaften? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen und Grundkompetenzen legt eine optimale Basis für den weiteren Verlauf des Lehrgangs. Der Einführungstag wird begleitet mit einem Reader, der wichtige Grundlagenpapiere und vertiefende Aufsätze zu den Bereichen enthält.

Curriculum 2017 - 2019

Datum
Titel
Modulkoordination

Curriculum 2019 - 2021

Datum
Titel
Modulkoordination